Die Direktiven Thriller von Markus Estermann
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Was wäre, wenn das System, das uns beherrscht, über Nacht wertlos würde?
Die Studentin Kiana Taylor stellt eine radikale Frage: Können wir ohne Geld freier leben? Ihre Rede entfacht weltweit Hoffnung, macht sie für die Mächtigen jedoch zur Zielscheibe.
Als ihre Freunde sterben, begreift Kiana, dass sie uralte Machtstrukturen erschüttert hat. Verfolgt von einem Killer und verraten von der Politik, flieht sie nach Washington D.C. Gemeinsam mit einem ausgebrannten Inspektor muss sie beweisen, dass eine Idee mächtiger ist als jede Waffe – bevor die neue Welt verstummt.
Ein hochbrisanter Polit-Thriller über Gier, digitale Revolution und den Mut, das Undenkbare zu wagen.
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Leseprobe
Schweißgebadet fuhr der Mann aus dem Albtraum hoch. Die Hände krallten sich ins Laken, als suchten sie Halt. Keuchen füllte den Raum, dann brach es ab. Stille. Spärliches Licht. Vergilbte Tapeten lösten sich, abgestandener Alkohol hing in der Luft.
Sein Blick tastete die Ränder der Wirklichkeit ab. Auf dem wackligen Nachttisch: eine halbvolle Flasche, ein zerknittertes Zigarettenpäckchen, ein Feuerzeug. Er trank einen langen Schluck. Der Alkohol brannte; vielleicht würde er die Bilder auslöschen. Daneben lag ein abgegriffenes Foto: eine junge Frau mit offenem Lächeln, Augen voller Licht. Mit zittrigen Fingern strich er über ihr Gesicht, als wollte er einen Moment berühren, der längst vergangen war.
Seine Miene wurde weich. Er legte das Foto behutsam zurück und setzte sich auf die Bettkante. Die Matratze knarzte. Auf dem Boden lagen Kleidung, Pizzakartons, leere Dosen – stumme Belege eines langen Absturzes. Das Tageslicht drückte grau durchs halb verdeckte Fenster; Staub lag dick auf dem Sims. Die Heizung klopfte unregelmäßig, als würde sie sich weigern, aufzugeben.
Im Bad sprang grelles Neonlicht an. Der verschmierte Spiegel zeigte tiefe Ringe, Bartstoppeln, Haut, die das Leben hart gezeichnet hatte. Er hielt dem Blick stand: leer, ausgelaugt, fremd.
Nach der Dusche stand er, nur im Handtuch, wieder im Wohnzimmer. Es klopfte. Zögerlich öffnete er.
Emily. Blonde Haare im losen Zopf. Ihre Augen weiteten sich zuerst über seinem halbnackten Körper, dann über dem Chaos hinter ihm. Über der Schulter hing ihr altmodischer Lederbeutel mit losem Träger – Handtaschen mochte sie nicht, freie Hände schon.
»Emily?« Er blinzelte. »Was machst du hier?«
»Was ist los mit dir, Nathan? Zwei Tage nicht im Büro! Wir machen uns Sorgen.« Ihre Stimme klang sanft, aber fest. Ihr Blick glitt kurz an ihm entlang, kehrte auf Augenhöhe zurück. »Geht’s dir gut?«
»Geht so. Komm rein.« Er trat zur Seite.
Emily betrat die Wohnung und verzog das Gesicht. Alkohol, Schweiß, kalter Rauch.
»Nathan … hier sieht’s aus wie an einem Tatort.«
»Dann passt es ja. Ich bin schließlich Inspektor für Mordfälle.« Der Witz fiel hohl.
Sie ignorierte ihn und sammelte automatisch Flaschen auf. »Es ist schon Mittag. Kommst du mit ins Büro?«
Er zuckte mit den Schultern. »Gerne. Ich zieh mich schnell um.«
Wenig später kam er angezogen zurück, gefasster. Die Verzweiflung war nicht weg, nur hinter Routine verstaut.
»Also? Gibt’s einen neuen Fall?«
»Deshalb bin ich hier. Es ist … seltsam. Und ich brauche deinen Verstand.«
»Du? Die beste Pathologin der Stadt?« Ein flüchtiges Lächeln.
Emily zwinkerte. »Und du bist der hartnäckigste Inspektor, den ich kenne. Aber das hier musst du sehen.«
»Ein Mord im Hotel The River. Ungewöhnlicher Tatort. Sehr ungewöhnlich. Du wirst es selbst sehen wollen.«
Nathan nickte, runzelte die Stirn. »Wurde am Tatort schon etwas verändert? Du weißt, ich hasse das.«
»Was glaubst du?« Sie verschränkte die Arme. »Wir haben dich zigmal angerufen. Du warst verschwunden.«
Er griff zum Smartphone: 14 verpasste Anrufe. Alle vom 5. Revier.
»Okay. Du hast recht. Ich… war neben mir.«
»Neben dir?« Emily deutete auf die Flaschen. »Nathan, du hast ein Problem. Später. Jetzt komm mit – sofort.«
Er zuckte die Schultern. »Ich hab’s im Griff. Los.«
Sie fuhren schweigend durch das bereits erwachte Chicago; die Scheibenwischer zogen Schlieren ins matte Tageslicht, der Verkehr war dicht.
Kurz vor dem Gebäude der Pathologie bremste Emily ab.
Noch bevor sie die Eingangsstufen erreichten, stellte sich ihnen Chief Duncan Anderson in den Weg, die Miene ernst. »Nathan, gut, dass du da bist. Hat Emily dich gebrieft?«
»Noch nicht.«
»Dann beeilt euch. In dreißig Minuten ist die Pressekonferenz. Du bist dabei.«
Nathan nickte knapp. Emily deutete wortlos Richtung Pathologie. Der Tag hatte gerade erst begonnen – und würde anders werden als die Tage zuvor. Denn diesmal wartete der Tod im Anzug eines Senators.